Social Engineering

Nachdem ich jetzt ein klein wenig an der Oberfläche der Internet-Sicherheitsstrukturen und des Datenschutzes gekratzt habe, stelle ich mir eigentlich nur eine essentielle Frage:
Was nutzt eigentlich der allebeste technische Schnickschnack zum Verwischen meiner Spuren, wenn am Ende doch der Mensch schwächelt? Wenn es eher die psychischen Faktoren sind, die dafür sorgen, dass ich mich angreifbar mache… Das führt mich zu dem  Feld des Social Engineering.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schreibt als Definition hierzu:

„Social Engineering ist eine Methode, um unberechtigten Zugang zu Informationen oder IT-Systemen durch „Aushorchen“ zu erlangen. Beim Social Engineering werden menschliche Eigenschaften wie z. B. Hilfsbereitschaft, Vertrauen, Angst oder Respekt vor Autorität ausgenutzt. Dadurch können Mitarbeiter so manipuliert werden, dass sie unzulässig handeln.“

Bei Wikipedia werde ich auch fündig, was konkretere Methoden betrifft. Dabei ist das klassischste Beispiel wohl das von einem sich als Techniker ausgebenden Anrufer, der ‚mal eben‘ für eine wichtige Reperatur vertrauliche Zugangsdaten benötigt. Um glaubhaft zu wirken, bereiten die meisten ihren Angriff gut vor, sammeln aus zufälligen Gesprächen in der Firma Informationen, spielen im Gespräch somit auf gemeinsame Kollegen an und scheinen auch ansonsten gut Bescheid zu wissen über firmeninterne Vorgänge.
Weitere Möglichkeiten sind Phishing, in dem Emails von bekannten Dienstleistern täuschend echt kopiert und an potentielle Opfer verschickt werden – ebenfalls wieder mit der Bitte, vertrauliche Informationen preiszugeben. Individueller gestaltet wird hierbei das Spear Phishing, hierbein handelt es sich um konkrete Angriffe auf Institutionen oder Personen, meist mit dem Hintergrund eines Finanzbetruges, oder Herauskitzeln von Geschäftsgeheimnissen.
Die Liste von Beispielen für Social Engineering ist endlos.

Bei weiteren Recherchen stoße ich hierzu auf den Guru des Social Engineerings, Kevin Mitnick, früher leidenschaftlicher Hacker und mittlerweile auf der guten Seite der Macht, indem er Firmen zum Thema Social Engineering berät und Mitarbeiterschulungen durchführt.
Die Titel seiner Bücher zu dem Thema klingen ausgeprochen interessant und ich beschließe, mich mit ihm noch einmal genauer zu beschäftigen. Im nächsten Eintrag.
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Ich persönlich finde dieses Feld sehr spannend. Zeigt es denn nicht, dass am Ende doch wieder der Mensch siegt über die Technik? Ich konfrontiere meinen Nerdfreund Tim mit dieser Aussage.
Nein, sagt er, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Es zeigt, dass die Technik perfekt sein kann, der Mensch aber schwächelt.
Ich finde, man kann es so oder so sehen.

Big Brother als Realität?!

Zur Abwechslung dreht sich mein heutiger Blogeintrag mal um ein Buch. Kein E-book, sonder ein ganz klassisches Buch mit Seiten zum Umblättern. Sowas soll es ja bekanntlich noch geben. Die Thematik ist natürlich topaktuell, das Buch heißt ‚Zero – Sie wissen, was du tust‘ von Mark Elsberg. Es handelt von dem realistischen Szenario eines Überwachungsstaates – ohne dass die meisten Bewohner wissen, dass es ein Überwachungsstaat ist. Es handelt von Kameras an jeder Straßenecke, von Datenbrillen, die über Gesichtserkennung beim Aufsetzen sämtliche, im Netz verfügbare Daten (und das sind eine Menge) des Gegenübers preisgeben. Es handelt von Gehirnwäsche auf höchsten Niveau und von predictive analytics – also der Kunst, anhand von der riesigen Datenmenge, die wir im Netz von uns preisgeben, zukünftiges Verhalten vorherzusagen. Eigentlich handelt es von der Welt, in der wir leben – mit fließenden fiktiven Übergängen zur digitalisierten schönen neuen Welt von Aldous Huxley.

Es ist ein Versuch, das menschliche Verhalten in Zahlen umzusetzen, es neu zu berechenen, vorherzusehen und folglich Profit daraus zu schlagen. Ein Verfahren, das derzeit im wirtschaftlichen Bereich zu finden. Wo mit Hilfe modernster Berechnungen vorhergesagt wird, welcher Konsument sich wie verhält – aufgrund vorangegangener Erfahrungen mit seinem Kaufverhalten und dem seiner Peergruppe.
In dem Buch ‚Zero‘ wird das Szenario auch auf Soziale Netzwerke und soziales Verhalten übertragen. Oder ist das bereits Realität? Im Netz finde ich dazu noch nicht viel… aber es wäre wohl nicht auszuschließen.
Es geht um sogenannte ActApps, die Jugendlichen Ratschläge geben, wie sie sich am besten verhalten, um bessere Daten zu erlangen, die sie wiederum für viel Geld verkaufen können… bessere Daten sind Beliebtheit, gute Noten, Erfolg, gute Gesundheitswerte..
Sprich, aus ihnen ‚bessere und glücklichere‘ Menschen machen.
Es geht auch darum, dass anhand Smartphones und Smartwatches und Kameras an jeder Straßenecke so ziemlich alles preisgegeben wird über jemanden. Dass man sich nicht mehr verstecken kann…

Zukunftsszenario oder Realität?

Und kann das menschliche Verhalten wirklich berechnet werden durch ein paar ausgefeilte Algorhythmen?
Ich persönlich habe da meine Zweifel. Aber ich verstehe auch nicht viel von Technik. Und nach Lesen des Buches werde auch ich paranoid…
Nach surfen auf der Website des Buches noch mehr… und der Verdeutlichung der Big Brother Institutionen, die bereits Alltag sind.
Da versuche ich doch lieber wieder, mich mehr in das Thema ‚sicherer Umgang mit dem Netz‘ einzuarbeiten. In der Illusion, zumindest ein bisschen anonym und nicht berechenbar zu sein. Ein Verhalten, das die Algorhythmen aufgrund meiner bisherigen Persönlichkeit mit Sicherheit auch schon vorhergesehen haben….

Schutz der Privatsphäre!

Zwei Stunden später mit Nerdfreund Nr 2, namens Tim – Fachmann in Fragen IT-Sicherheit und Experte darin, es technischen Analphabeten wie mir besonders einfach zu erklären – bin ich soweit, dass ich zumindest ein paar Antworten gefunden habe auf die Frage, welche Möglichkeiten es im Netz überhaupt gibt, sich halbwegs unauffällig zu bewegen.
Der gläserne Mensch wird auf einmal allzu sichtbar und betrifft mich wohl mehr, als ursprünglich gedacht. Warum also nicht mal ein paar Ideen zum Schutz posten für alle, die es betrifft und sich angesprochen fühlen.
Wir fangen unsere gemütliche Sitzung mit dem Thema Emails an. Die zwei großen kritischen Punkte bestehen hierin einmal im sicheren Versenden der Mails und einmal im sicheren Verwahren der Mails. Ich lasse mir also PGP erklären.

Wie so oft, wenn es darum geht, abstrakte technischen Erklärungen zu folgen, muss ich mich besonders anstrengen, dabei zu bleiben. Ich, die es durchaus gewohnt bin, komplizierte menschliche Beweggründe zu entschlüsseln, scheitere daran einfachste Ver/ -Entschlüsselungsmechanismen im Netz zu verstehen.
Ich erschrecke über die Nachricht, dass viele große Emailprovider keine Skrupel haben, Emails an den BND weiterzugeben. Und beschließe augenblicklich einen Mailaccount bei Proton.ch einzurichten, das zwar laut Tim auch noch ein paar Kinderkrankheiten in der Vergangenheit hatte, aber durchaus der kleinere Teufel von allen Teufeln sei.

Weiterhin wenden wir uns dem Thema Surfen zu und ich erfahre, dass mein Browser, die alte Plaudertasche, sehr viel über mich erzählt. Wo ich herkomme, welches Betriebssystem ich verwende, welche Seiten ich vorher besucht habe.
Ich verstehe erstmals, was eigentlich Cookies genau machen, dass sie nicht immer schlecht sind und die Gefahr symbolisch darin besteht, dass sie beim Versenden, gefüllt mit Daten von mir von krümelmonsterähnlichen Gestalten abgefangen werden können. Zugegeben, die Metapher mit dem Krümelmonster kommt von mir, aber Tom lässt es mir durchgehen, nachdem er sieht, wieviel Spaß ich beim Monstervisualisieren habe.
Deswegen habe ich also auch Ghostery auf meinem Computer. Ein kleiner Geist, der dafür sorgt, dass sich zumindest keine Trackingcookies auf meinem Computer festsetzen.
Geister, Kekse… es scheint wohl, dass nicht nur ich das Bedürfnis habe, etwas Abstraktes greifbarer zu machen…..

Zu guter Letzt wird mir noch Proxy empfohlen, ein Stellvertreter, der dafür sorgt, dass meine IP Adresse erstmal verschleiert wird, bevor ich auf meine Zielseite weitergeleitet werde.

Ok, denke ich mir, das klingt ja alles machbar, auch für Nicht-Nerds wie mich.

Schon, meint Tim. Das nächste Mal reden wir dann darüber, wie du sicherer chattest und was VPN ist und warum Whats App und Facebook nicht nur der Teufel, sonder die Könige aller Teufel sind. Und wenn du willst, rüsten wir dann noch deinen Computer zu Hochsicherheitsburg auf, laden ein neues Betriebssystem darauf und ich erkläre dir ein paar absolute No-Gos beim Surfen im NEtz. Damit bist du zwar nach wie vor nicht unsichtbar, aber wenigstens hast du jetzt auch keine rote Nase mehr auf und läufst laut singend durch die Web 2.0 Straßen.

Na immerhin…

Soziale Netzwerke, die Zweite!

Durch die interessanten Kommentare zu meinem letzen Beitrag wird mir bewusst, dass ich wohl das Thema ‚Soziale Netzwerke‘ nur schwer in ein ein paar Sätzen abhaken kann. Hier also noch ein paar weitere Sätze dazu…
Tatsächlich regt die Frage ‚Was sind enge Bindungen, was sind schwache Bindungen‘ zum Nachdenken an. Über die genaue Definition habe ich auch nach erneuter Recherche nur wenig gefunden. Im Allgemeinen wird eine schwache Bindung mit einer oberflächlichen Bindung gleichgesetzt. Spannend in diesem Kontext, finde ich jedoch Patriciaash Bemerkung zu meinem letzten Beitrag. Sie schreibt, dass ihr oft die ‚schwachen‘ Bindungen gerade in Krisenzeiten geholfen haben.
Ist es eventuell hier wieder die Menge, die ausschlaggebend ist, was Pierre Bourdieus Theorie entgegen käme, die besagt, dass es die Menge der schwachen Bindungen ist und die Enge der starken Bindungen, die im Endeffekt unser soziales Kapital ausmachen… ?

Unterm Strich sind das rein theoretische Gedanken.
Wenn ich die Beziehungen durchforste, die ich zu den Menschen in meinem Leben habe, gibt es nur wenig Raum für eine starre Unterteilung.
Es gibt oberflächliche Beziehungen, die für ein einziges Gespräch in die Tiefe gehen können und dann wieder oberflächlich sind. Es gibt enge Bindungen zu Menschen, die ich nur alle zwei Jahre sehe. Es gibt Zwischentöne und eine Menge Farben. Und dann gibt es natürlich noch die digitalen Beziehungen. ‚Freunde‘ auf Facebook, mit denen ich kaum persönlich in Kontakt bin, dennoch freue ich mich sehr, ihre kleinen Einträge über ihr Leben zu lesen. Und sogar ‚Freunde‘, denen ich noch nie begegnet bin, unsere Freundschaft beschränkt auf ein Leben im Online-Spiel. Dennoch werden Geburtstagsgrüße ausgetauscht. Auch eine Form von Kontakt.

Und dann gibt es natürlich auch noch Dunbars Zahl, die besagt, dass das menschliche Gehirn nicht in der Lage ist, mehr als 150 soziale Kontakte zu verarbeiten. Die Zahl stammt aus einer Zeit jenseits der digitalen sozialen Netzwerke, ist aber, wie der Forscher Bruno Goncalves in einer Studie herausgefunden hat, zumindest auch für Twitter relevant.
Dennoch stellt sich auch hier die Frage:
Was bedeutet das‚einen sozialen Kontakt zu verarbeiten‘?

Und woher kommt dieses ewige Bedürfnis, verstehen zu wollen, was im Grunde seines Wesens vielleicht gar nicht geordnet und strukturiert werden kann/will?!

Soziale Netzwerke und ihre Vorteile…

Kleiner Ausflug in die Welt der sozialen Theorien…

Der Soziologe Mark Granovetter unterscheidet menschliche Beziehungen grundlegend in schwache und starke Bindungen. Dabei definiert er starke Bindung als eine enge, tiefgehende Bindung zu einer oder mehreren Personen, die sich im besten Falle untereinander auch eng binden.
Eine schwache Bindung ist oberflächlich, dient jedoch auch als Brücke zu anderen Netzwerken.
Der Soziologe Ronald S. Burt erweitert diese Theorie durch die Feststellung, dass ein Individuum am ehesten davon profitiert, eine ausgewogene Kombination aus starken und schwachen Bindungen zu pflegen, das es die starken sind, die ihm Unterstützung, Rückhalt und SIcherheit bieten und die schwachen, die ihm den Zugang zu anderen Netzwerken, also anderen Welten bietet. Die eigene Position zwischen verschiedenen Netzwerken ist dabei also wichtig und muss am laufendem Bande überdacht werden.
Der Soziologe Pierre Bourdieu prägt zudem den Begriff des sozialen Kapitals, das sich der Mensch im Laufe seines Lebens ansammelt. Dies sind Hilfeleistungen, Vorteile und hilfreiche Beziehungen, die unsere Mitmenschen uns verschaffen. Er fasst zusammen:
Das soziale Kapital ist umso höhre, je enger unsere starken Bindungen sind. Es ist auch umso höher, je mehr wir von den schwachen Bindungen haben, vor allem bezüglich unseres Berufslebens.
Um jetzt wieder den Bogen zu digitalen sozialen Netzwerken zu spannen:
Sie bieten uns die Möglichkeit, eine hohe Menge an schwachen Bindungen zu pflegen, die uns wiederum ziemlich viel soziales Kapital einbringen. Oder anders ausgedrückt: Es erleichtert es uns, Menschen, die wir eigentlich nicht mögen, dennoch auf Sparflamme zu halten, weil sie uns irgendwann in ihrer Funktion nützlich sein könnten.

Ich wiederum frage mich, ob digitale Netzwerke, wie z.B eben Facebook, aber nicht auch helfen können, enge Bindungen entstehen oder erhalten zu lassen.
Der Kontakt über das Netz ist zwar durchaus oberflächlicher, aber er ist auch häufiger und leichter zu realisieren als jedes Mal ein reales Treffen zu organisieren. Und die Häufigkeit des Sehens und Informationsaustausches spielt durchaus auch eine Rolle, um enge Beziehungen am Leben zu halten. Aber darüber kann man natürlich streiten und mit Sicherheit haben wir auch alle Freunde, zu denen wir behaupten, eine enge Beziehung zu haben, die wir aber nur einmal im Jahr sehen. Fraglich aber, wie überhaupt eng und schwach definiert wird.
Nichtsdestotrotz lohnt es sich, finde ich, ein paar Gedanken darüber zu haben, was das für Kontakte sind, die man so pflegt online. Schwache, enge – und was ist mit denen, die so schwach sind, dass sie eigentlich gar keinen Namen verdient haben?
Warum habe ich in meinem Freundeskreis immernoch Leute, von denen ich seit Jahren nichts gehört/gelesen habe?!
Zeit, vielleicht mal aufzuräumen….

Privatsphäre ist nicht gleich Privatsphäre!

Wenn wir über Privatsphäre reden, ist hier vielleicht eine genauere Unterscheidung nötig, was mir bisher noch gar nicht so bewusst war. Zumindest nicht, bis ich diese Woche ein Interview mit Prof. Dr. Sabine Trepte, Professorin für Medienpsychologie an der Hamburg Media School eund Autorin des Buches ‚Privacy Online‘ gelesen habe.

Hier wird unterteilt in informationale, emotionale und soziale Privatsphäre, die sich in gewisser Weise paradox zueinander verhalten. Denn obwohl man im Internet viel von seiner informationalen Privatsphäre aufgibt, erlebtn man durch die Anonymität vermehrt eine psychologische Privastphäre, das heißt, die Kontrolle über die Preisgabe meiner Emotionen und Gedanken. Auch die soziale Privatsphäre bleibt weiterhin geschützt, denn ich kann bestimmen, wer Zutritt hat zu meiner physischen Umgebung.
Das ist vielleicht ein Deal – ein ständiges gegeneinander Abwiegen. Wieviel bin ich bereit von mir preiszugeben, um dafür Belohnungen zu bekommen, wie Verständnis, die Möglichkeit der Selbstoffenbarung, Kontakt zu Menschen meines Schlages und Kommunikation.
Prof. Dr. Trepte betont die Tatsache, dass das Netz uns mehr als andere Räume, die Möglichkeit gibt, authentisch zu sein und dass dies unabdingbar sei für den Menschen an sich, der insgeheim immer die Authentizität anstrebt.
Das überrascht mich, ich erlebe in meinem Umfeld eine Menge unechter Menschen und habe nicht das Gefühl, dass diese besonders nach Echtheit streben würden… andererseits scheint es in Studien bewiesen, dass Menschen, die sich nicht zeigen können, wie sie sind, eher zu Depressionen und Ängsten neigen.
Eine interessante Theorie, denke ich. Das hieße ja, dass das Internet im Großen gesehen, einen entscheidenen Beitrag zur Depressionsprophylaxe leisten könnte… aber das ist natürlich von mir recht plakativ dargestellt.

Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage auch mir: wieviele Daten bin ich bereit von mir preiszugeben, um die großen Vorteile des Netzes nutzen zu können?
Oder anders formuliert:
Wieviel habe ich zu verlieren  – und wieviel zu gewinnen?

Wen interessieren meine Daten?!

Datenschutz – natürlich begegnet einem das Thema am laufenden Band. All jene, die sich noch trauen, Facebook zu benutzen, werden stetig bombadiert mit neuen Richtlinien und vagen Versuchen, diese zu entkräften, indem man einfach sagt ‚für mich gilt das nicht‘.Inklusive heißer daraus resultierenden Diskussionen der Öffentlichkeit über die Privatsphäre des Menschen im Netz.
Aber nicht nur soziale Netzwerke – denen ich bestimmt noch den ein oder anderen Artikel widmen werde, sammeln Daten.
Jeder tut es. Soweit ich das verstanden habe.
Ich frage mich also als erstes ‚wer zeigt eigentlich Interesse an meinen Daten‘? Eine Antwort finde ich in einem Artikel der Seite Lo-Recht. Wirtschaftliche Interessen stehen da im Vordergrund. Daneben staatlichen Interessen im Kampf gegen den Terror und kriminellen Interessen – im Bestreben, Geld zu machen.

Ich dachte immer, ich bin eigentlich nicht wichtig genug, als dass sich irgendwer für meine Daten interessieren könnte. Ich berge keine Geheimnisse, habe kein Wissen, das von irgendjemanden von Bedeutung wäre. Dass Google meine Vorliebe für Billigflüge kennt und mich bei jeder Gelegenheit mit den neuesten Angeboten versorgt – damit kann ich leben. Ist manchmal sogar recht nützlich. Ich bilde mir auch ein, selber entscheiden zu können, welche Informationen und Bilder ich von mir in das Netz stelle. Und ich bin ja wirklich nicht blöd genug, Fotos von mir in betrunkenem Zustand (nicht dass es sowas gäbe) hochzuladen, die einem potenziellen späteren Arbeitgeber sauer aufstossen könnten.

Was mir wirklich Angst macht, ist das, was ich nicht verstehe. Und ich verstehe tatsächlich nicht sehr viel von der Technik der digitalen Spurensuche. Ich weiß nicht, wie verletzlich ich mich mache mit Dingen, die ich von mir preisgebe und die mir recht trivial erscheinen.
Ich kenne auch den Wandel der Zeit nicht. Ich gebe oft unbedacht meine Meinung von mir – wer garantiert mir, dass wir auch in Zukunft Meinungsfreiheit haben werden?
Ich sehe nur die Oberfläche und bin mittlerweile belesen genug um zu wissen, dass ich vollkommen naiv an die ganze Sache rangehe.

Ich bin also dem Thema weiter auf den Fersen. Datenschutz und Privatsphäre. Und wie ich sie schützen kann.

Vom Posten, Sein und Denken…

Die Feststellung ‚Wenn man viel von sich online stellt, muss man anfangen, sich selber zu reflektieren‘, hörte ich diese Woche in einer Dokumentation des elektrischen Reporters.

Helene wiederum schreibt in ihrem Kommentar zu meinem letzten Artikel den schönen Satz ‚wenn du herausfindest, was du denkst, dann findest du heraus, was du bist.‘
Um den Faktor Internet erweitert hieße es wohl: wenn ich herausgefunden habe, was ich denke, habe ich herausgefunden, was ich von mir posten will und kann folglich zeigen, wer ich bin.

Oder poste ich zuerst und denke dann darüber nach, wer ich denn nun eigentlich bin im Netz? Und ob das, was ich poste auch mit meinen Gedanken übereinstimmt?
Beim Surfen im Netz, komme ich nicht umhin zu glauben, dass die Realität für eine breite Allgemeinheit wohl eher so aussieht:
Ich poste, also denke ich nicht. Und wer ich bin, darüber mache ich mir eh keine Gedanken.

Was ich von mir poste, ist ein Teil von meiner Identität. Es zeigt Teile meines Charakters. Doch wie authentisch ist dieser von mir gezeigte Charakter, wenn ich niemandem Rechenschaft schuldig bin? Vielleicht sind wir aber auch authentischer denn je, weil wir uns nicht zu genieren brauchen, was wir posten. Wir haben endlich die Erlaubnis, Helene Fischer Fan zu sein und am nächsten Tag auf ein Rammsteinkonzert zu gehen. Oder in einer Motorradgang zu sein und sich Walt Disney Filme herunterzuladen. Denn wir sehen, dass auch andere derart widersrpüchliche Eigenschaften haben und fangen an zu wissen, dass es normal ist.
Dann wiederum können wir es als Marke verpacken (und hier gebe ich Randi Zuckerberg aus oben genannter Dokumentation wieder), denn im Internet kann jeder zur Marke werden.
Also doch mehr Freiheit, so zu sein, wie man ist?

Was mich betrifft, kann ich mir nicht vorstellen, dass das Internet irgendwann alles über mich weiß. Ich denke mir – oder bilder mir ein – dass ich komplexer bin als die Teilpersönlichkeiten, die von mir im Netz sichtbar sind.

Oder um es mit Hesses Worten auszudrücken:

In Wirklichkeit aber ist kein Ich, auch nicht das naivste, eine Einheit, sondern eine höchst vielfältige Welt, ein kleiner Sternenhimmel, ein Chaos von Formen, Stufen und Zuständen, von Erbschaften und Möglichkeiten.
Hermann Hesse, Der Steppenwolf, Gesammelte Werke Bd. 7

Petzold und das Internet

Ich kann es nicht einfach so stehen lassen. Die 5 Säulen der Identität nach Petzold verfolgen mich ind den Schlaf und ich fange vor lauter suche nach Informationen über das Thema Identität an, meine eigene Identität in Frage zu stellen. Es sind bewegte Zeiten – vielleicht ein guter Zeitpunkt für eine Identitätskrise?

5 Säulen der Identität (nach H. Petzold, frei zusammengefasst)

Leib/Leiblichkeit:

Dies beinhaltet also nicht nur den Körper mit all seinen Bedürfnissen, sondern umfasst ebenfalls den Bereich der Psyche. Und des Denkens, der Glaubenssysteme, der Träume etc… Auch die Frage, wie man von anderen wahrgenommen wird.

Soziales Netzwerk/soziale Bezüge

Die Menschen, die ich treffe, die mich beeinflussen. Die Menschen, die ich mag und die, die mir feindselig gegenüberstehen.

Alle Menschen, die früher oder später mein Leben streifen

Arbeit und Leistung

Erfolgserlebnisse, Selbstverwirklichung durch die Arbeit, Unter-und Überforderung …

Materielle Sicherheit

Neben dem finanziellen Einkommen, auch die Dinge, die wir besitzen. Außerdem der Ort, an dem wir leben. Hier fällt auch der Bereich der Bildungsmöglichkeiten hinein.

Werte und Normen

Was halte ich für richtig, wofür trete ich ein?

Was ist meine persönliche Lebensphilosophie? Woran glaube ich?

Inwiefern beeinflusst also das Internet unsere Persönlichkeit, wenn wir es separat auf die fünf Petzoldschen Säulen anwenden?

Gibt es vielleicht sogar einen Bereich, der nicht durch das Internet beeinflusst wird?

Müsste man Petzolds Modell nun noch um die Säule des Internets erweitern?
Oder fließt es in jeden Bereich mit ein? Oder fließt jeder Bereich ins Internet mit ein??!

Wie immer stelle ich Fragen. Aber womöglich ist es auch an der Zeit, dass ich Antworten für mich selber finde.

Identität im weitesten Sinne

Ich habe mich in den letzten Tagen ein wenig mit dem Thema Identität beschäftigt. Ganz allgemein erstmal. Es braucht natürlich mehr, als nur einen Blogeintrag, um das Thema zu beleuchten.
Ich habe mich (nicht zum ersten Mal in meinem Leben) mit Petzold beschäftigt und auch eine recht interessante Diskussion bei Scobel verfolgt.
Und ich bin im weltweitem Netz Wortfetzen nachgehangen, die sich nun mal ergeben, wenn man bei Google das Wort Identität eingibt. Hier werden alle Ebenen durcheinandergewürfelt. Psychologische Aspekte mit religiösen. Neurologische und spirituelle. Philosophische und rechtliche.
Am Ende habe ich auch hier mehr Fragen als Antworten.
Und da ich mir nicht anmaße, Antworten zu erfinden (zumindest nicht zu diesem Thema), stelle ich jetzt nur die Fragen hierhin. Mögen die Antworten sich selber finden…

Wer bin ich?
Bin ich das Produkt der Gene meiner Eltern?
Bin ich von der Umwelt gemacht?
Ist es am Ende doch die Erziehung?
Was ist Zufall, was sind die Gene? Und was der Einfluss des netten Nachbars, der einem am Gartenzaun gerne lange Vorträge hielt?
Was macht mich also aus?

Was passiert, wenn ich sage ‚ich bin‘? Ist es ein Unterschied, wenn ich sage ‚ich mache‘? Mache ich in Bezug zu wer ich bin, oder bin ich in Bezug zu dem, was ich mache?

Entscheidet mein Gehirn, wer ich bin, oder entscheidet es das Schicksal?
Bin ich ein Werk Gottes, oder ein Werk von mir selber?

Wenn mein Gehirn beschädigt wird, wieso kann sich dadurch auch meine Persönlichkeit ändern?

Wenn ich meditiere, lerne ich, mich selber von außen zu betrachten. Aber wer ist dieser Beobachter? Und wen betrachtet er?

Konstruiere ich meine Identität anhand meiner Erinnerungen, die ich in mir trage? Aber was passiert dann, wenn meine Erinnerungen verloren gehen?

Ist Identität in Bewegung, oder ein fester Bestandteil meiner selbst?
Wenn ich mich täglich öder wöchentlich selber neu definiere über Kleidung, Vorlieben, Frisur etc., was bleibt dann noch von mir über, das meine Identität ausmacht?

Wie bleibe ich mir selber treu, wenn ich mich ständig verändere?

Machen meine Emotionen meine Identität aus?

Ist das Ich am Ende doch nur die Summe aller Möglichkeiten, die es gibt, um es zu definieren?